HEIAN GODAN (Friedlicher Geist 5)
Heian Godan ist die fünfte, letzte und anspruchsvollste Kata der Heian-Reihe im Shotokan-Karate. Sie bereitet den Karateka auf die Meister-Katas (Sentei-Kata) vor und wird traditionell für die Prüfung zum 4. Kyū (Blau- bzw. Violettgurt) vorausgesetzt. [1]
Die Kata besteht aus 25 Bewegungen und dauert ca. 50 Sekunden. Ihr Rhythmus ist stark geprägt von schnellen Wechseln zwischen langsamen, fließenden Bewegungen und explosiven Kontern. [1]
Der Ablauf im Überblick (Schritt-für-Schritt)
Die Kata folgt einem festen Diagramm (Embusen) und lässt sich in vier logische Abschnitte unterteilen:
1. Der Einstieg: Konter zur Seite
- Du startest im Musubi-Dachi (Grußstellung) und gehst ins Hachiji-Dachi (Bereitschaft).
- Schritt 1–3: Wendung nach links in den Kokutsu-Dachi (Rückwärtsstellung) mit Uchi-Uke (Innenseite-Unterarmblock), gefolgt von einem schnellen Gyaku-Zuki (Gegenschlag) auf der Stelle. Danach fließendes Heranziehen der Füße in den Heisoku-Dachi (geschlossene Parallellstellung) bei langsamer Ausholbewegung.
- Schritt 4–6: Dieselbe Kombination (Block, schneller Schlag, langsames Heranziehen) spiegelsymmetrisch nach rechts. [1]
2. Die Hauptachse und der Kreuzblock
- Schritt 7–9: Wendung nach vorne (Richtung Shomen). Du blockst mit Morote-Uke (verstärkter Unterarmblock) im Kokutsu-Dachi. Es folgen ein tiefer Schritt nach vorne in den Zenkutsu-Dachi (Vorwärtsstellung) mit Juji-Uke Gedan (gekreuzter Abwärtsblock). [1, 2]
- Die Hände öffnen sich, schnellen nach oben zu einem Juji-Uke Jodan (gekreuzter Aufwärtsblock) und werden schließlich zur rechten Hüfte zurückgezogen (Osae-Uke), während ein Vorwärtsschritt mit Oi-Zuki (gleichseitiger Fauststoß) folgt. (Erster KIAI). [1, 2]
- Schritt 10–11: Drehung um 180 Grad nach hinten in den Zenktusu-Dachi mit einem wuchtigen Gedan-Barai (Abwärtsblock). [1, 2]
3. Der sichelförmige Tritt und der Sprung
- Schritt 12–14: Aus der Kampfstellung führst du im Gehen ein langsames Haishu-Uke (Handrücken-Abwehr) aus. Es folgt ein Mikazuki-Geri (Sicheltritt) mit der Fußsohle gegen die eigene offene Handfläche. Du landest im Kiba-Dachi (Reiterstellung) und setzt sofort einen Empi-Uchi (Ellbogenstoß) in die Handfläche nach. [1, 2]
- Schritt 15–16: Du ziehst den vorderen Fuß ran, blockst mit Morote-Uke zur Seite und leitest das bekannteste Element der Kata ein: Der Sprung. Du drückst dich kraftvoll ab, ziehst die Knie hoch an und landest tief im Kosa-Dachi (Kreuzstellung) mit einem Juji-Uke Gedan. (Zweiter KIAI). [1, 2]
4. Das Finale: Die Wendungen im Manji-Gamae
- Schritt 17–19: Nach dem Sprung wendest du dich nach rechts in den Zenkutsu-Dachi mit Morote-Uke.
- Schritt 20–25: Du wechselst die Richtung diagonal nach hinten. Hierbei nutzt du die Stellung Manji-Gamae (eine Hand blockt oben im Jodan-Uchi-Uke, die andere unten im Gedan-Barai). Es folgen fließende Übergänge über den Zenktusu-Dachi mit Nukite (Stich mit den Fingerspitzen), bis die Kata wieder in der Ausgangsposition endet. [1, 2]
Wichtige Schlüsselkonzepte für das Training
Wenn du Heian Godan übst, solltest du auf drei zentrale Prinzipien achten:
- Mizu-Nagare-no-Kamae (Wasserlauf-Stellung): Die Abwehrbewegungen dürfen nicht steif sein. Angriffe werden geschmeidig umgeleitet, wie Wasser, das an einem Stein vorbeifließt.
- Körperschwerpunkt beim Sprung: Achte darauf, beim Sprung (Schritt 16) nicht nur hoch, sondern auch nach vorne zu springen. Die Landung im Kosa-Dachi muss tief und absolut stabil sein, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. [1]
- Rhythmuswechsel: Der Wechsel zwischen schnellen Explosivtechniken (z. B. Gyaku-Zuki) und den extrem langsamen Übergängen (z. B. das Heranziehen der Beine zu Beginn) erfordert eine exzellente Hüft- und Atemkontrolle.


